Niemals aufgeben!

Liebe Fans der Braunschweiger Eintracht
liebe Fans anderer Vereine,

vor ungefähr vier Wochen haben wir an dieser Stelle die Einstellung unserer Aktivitäten bekanntgegeben. Ein Schritt, mit dem wir nicht alle wirklich glücklich waren, doch der uns in dieser Phase am sinnvollsten erschien. Uns haben danach mehrere liebe und motivierende Nachrichten erreicht, die uns sehr gefreut haben – von anderen Initiativen und Fans verschiedener Vereine. „In den Farben getrennt, in der Sache vereint“ wird gelebt, ein solidarisches Miteinander abseits der Vereinsliebe unterstützt und fängt auf. Insbesondere dann, wenn die gesellschaftliche Losung #wirsindmehr im Verein nicht gilt und der Kampf gegen Diskriminierung bzw. für das Einsehen der Problematik beim eigenen Verein ein Kampf gegen Windmühlen ist. Aufgeben werden sollte dieser Kampf jedoch trotz allem nicht.

In Braunschweig sind die Windmühlen stabil und ausdauernd. Sie drehen sich inzwischen nicht nur in der Kurve, sondern auch im Verein selbst. Uns hat dies auf Dauer demotiviert und frustriert, doch haben wir in den vergangenen Wochen gemerkt, dass die Liebe zum Verein, die Verbindung zwischen uns und dem Verein, die gemeinsamen Erlebnisse und Momente zu stark sind, als dass wir einfach aufgeben, gar dem Verein den Rücken kehren könnten.

Der Verein ist mehr, als die aktuell handelnden Personen. Er ist mehr als das, was in der Kurve geschieht und von der Vereinsführung gesagt wird – insbesondere ist er größer als all jene, die, auf dem rechten Auge blind, noch immer von einer Ultraszene schwärmen, die zwar tolle Choreos auf die Beine stellt, aber ebenso für den guten Zweck mit Rechtsextremen kickt. Sie repräsentieren derzeit zwar die Eintracht, aber sie haben die nicht die ewige Deutungshoheit über diesen Verein.

Für nicht wenige Menschen in (Fußball-)Deutschland steht Eintracht Braunschweig für eine mindestens tendenziell rechte Fanszene – nur in Braunschweig nicht. Die Mehrheit muss nicht immer recht haben – aber das eigene Selbstbild auch nicht immer stimmen. In unserem Fall trifft letzteres zu. Doch es ist möglich, dieses Bild zu verändern, Strukturen zu schaffen, Debatten in Gang zu setzen und so langfristig auch Verein und Fanszene in einen Wandel zu bringen. Diese Aufgabe ist für uns allein zu groß, doch haben manche von uns gemerkt, dass wir diese Aufgabe nicht aufgeben wollen. Eintracht Braunschweig muss nicht auf ewig ein Synonym für eine rechte Fanszene bleiben – und wir werden in veränderter Runde weitermachen und nicht aufhören, das Thema sichtbar zu machen.

Zwei Themen sind nun für uns von nun an von besonderer Bedeutung: Die aktuelle Auseinandersetzung mit dem Verein sowie die Auswertung unserer Umfrage zu Diskriminierungserfahrungen.

Wie dünnhäutig der Verein bei der Thematik rechtsextremer Fans in unserer Fanszene ist, konnte neulich auf Twitter gesehen werden, als wir auf Twitter einfach mal eine Frage für die Spieltags-PK stellten und wissen wollten, wie die Spieler sich zum Thema Rechtsextremismus in der Fanszene positionieren bzw. ob dies ein Thema in der Mannschaft sei. Verwiesen wurde dabei auch auf das Gesprächsangebot, welches wir nach anfänglicher Zustimmung inzwischen ablehnend gegenüberstehen. Die Gründe dafür sind, dass Eintracht Braunschweig uns einerseits bereits vor einer Konkretisierung des Gesprächs deutlich gemacht hat, dass es keine Probleme mit rechtsextremen Gruppierungen gäbe. Worüber sollen wir noch denn noch sprechen, wenn die Meinung vor Beginn schon steht? Andererseits lehnte Eintracht Braunschweig ein Gespräch unter Wahrung der Anonymität unsererseits ab. Zwar sichert man uns Vertraulichkeit zu, doch ist unser Vertrauen in einen Verein, in welchem durch die Fanabteilung jene einen Platz finden, die mitunter seit Jahre gute Kontakte zur rechtsextremen Hooliganszene pflegen. Anonymität ist für uns sehr wichtig, um im Stadion als Einzelpersonen sicher zu sein. Wir alle wissen vermutlich, was mit anderen Personen passierte, als sie sich kritisch mit den Zuständen in unserer Fanszene befassten. Ein weiterer Grund ist, dass wir nie nach einem Gespräch fragten, sondern Fragen stellten, dessen Antworten weit mehr Menschen als uns interessieren würden. Nicht ohne Grund haben wir zwei offene Briefe geschrieben. Die Hinterzimmer-Mentalität des Vereins ist eben jener Weg, welcher in die Schweigsamkeit führt und das Thema klein halten soll. Wenn der Verein sich so sicher in seinen Positionen ist, kann er sich auch öffentlich dazu verhalten. Darauf werden wir warten, daran werden wir erinnern.

Unsere Umfrage zu Diskriminierungserfahrungen ist inzwischen beendet. Hatten wir vor unserem „Adieu“ dieses Thema frustriert fallen lassen, greifen wir es nun mit umso mehr Motivation auf und arbeiten derzeit an der Auswertung. Erste Ergebnisse können wir in Kürze präsentieren. Vielen Dank an alle, die an der Umfrage teilgenommen und so mitgeholfen haben, zumindest ein gewisses „Stimmungsbild“ unserer Fanszene zu bekommen.

Eintracht Nazifrei!
Bleibt gesund!

Faninitiative Braunschweig

Adieu

Liebe Fans der Braunschweiger Eintracht,

wir, die Faninitiative Braunschweig, gibt hiermit ihre sofortige Einstellung jeglicher Aktivitäten bekannt. Die Gründe wollen wir erläutern:

Als wir als kleine Gruppe aus Fans der Braunschweiger Eintracht zusammenschlossen und gemeinsam unsere Ziele – Aufklärung und Information, Sichtbarkeit schaffen und für die vorhandenen Probleme mit rechtsextremen Fangruppen innerhalb unserer Fanszene sensibilisieren – formulierten, hatten wir die Hoffnung etwas auf die Beine zu stellen, was Potential hat, wachsen könne. Nicht sofort, aber durch eine steigende Sichtbarkeit und Wahrnehmung innerhalb der Fanszene. Wir waren überzeugt davon, dass wir nicht die einzigen Personen sind, die sich an den vorherrschenden Zuständen stören und sich innerhalb des Stadions immer wieder unwohl fühlen, wenn wir sehen, wie unwidersprochen rechtsextreme Gruppen ihre Sichtbarkeit und Wirksamkeit ausbauen können. Wir haben dies auf unserem Blog dokumentiert und problematisiert. Wir hofften, es würden sich weitere Fans melden, sich einbringen und mitwirken. Wir hofften ebenso, dass der Verein sich früher oder später der Problematik annehmen würde, interessiert daran sei, sich von den rechtsextremen Gruppen freizumachen. Wir hofften auf Verständnis, Interesse und Handlungsbereitschaft auf unterschiedlichsten Ebenen und im Bereich unterschiedlichster Akteure.

Nach über einem Jahr müssen wir jedoch feststellen, dass keine unserer Ziele realistisch ist und unsere Hoffnungen sich nicht bewahrheiten werden. Zwar gab es hier und da unterstützende Worte aus der Szene, doch sind diese zahlenmäßig geringer als die Beleidigungen, Bedrohungen und Einschüchterungen, die uns über den Blog oder per Mail erreicht haben. Unsere Gruppe ist weiterhin nie gewachsen, sondern fortlaufend geschrumpft, weil manche Personen unserer Gruppe diese Situation der latenten Bedrohung nicht länger aussetzen wollten oder enttäuscht von der Handlungslosigkeit des Vereins waren. Es gab in der gesamten Zeit keine Person, die sich neu der Gruppe anschließen wollte bzw. mitwirken wollte – ob aus Angst, fehlender Sensibilisierung oder schlichter Ablehnung unserer Ziele können und wollen wir nicht abschließend bewerten, doch sagt es viel über eine Fanszene dieser Größe aus, wenn sich in ihr kaum Menschen finden, die bereit sind sich unter diesen Zielen lose zusammenzutun.

Auch der Verein, wenn gleich ein Gesprächsangebot übermittelt wurde, sieht die Problematik nicht und nimmt sie nicht ernst. Gleichzeitig mit der Einladung zu einem Gespräch teilte man uns mit, es gäbe in Braunschweig keine Probleme mit rechten Gruppierungen, es handele sich allein um wenige Einzelpersonen. Eine Floskel, die wir seit Jahren hören und die sich seitdem selbstständig widerlegt. Geändert hat sich allerdings nichts.

Der Großteil unserer kleinen Gruppe hat darüber hinaus in der Coronazeit festgestellt, dass es weit wichtigeres gibt als einen Verein, der Fans wie uns eigentlich nicht will und eine Fanszene, in der Personen wie wir Störenfriede sind, nicht aber die Nazis. Wir wollen nicht mehr mit Angst, Unwohlsein oder einem miesen Gefühl ins Stadion gehen, weshalb die meisten von uns keine Spiele der Eintracht mehr besuchen werden. Diese Entscheidung fällt niemandem leicht, aber es befreit, öffnet den Blick für Dinge und Aktivitäten, die deutlich zielführender und sinnhafter sind, als dieser niemals zu gewinnende Kampf gegen Nazis im Stadion. Noch dazu hat sich Eintracht Braunschweig bei der Frage der Saisonfortführung letzte Saison nicht solidarisch im Sinne einer globalen Pandemie verhalten, sondern auf eigene Interessen geschaut und für die Fortsetzung der Saison gestimmt – wie viele andere Vereine auch. Die Logik des Profifußballs ist eben eine Logik des Egoismus und der eigenen Besserstellung aller anderen gegenüber. Im kleinen, gesellschaftlichen, individuellen Handeln der Menschen hat uns diese Haltung in den zweiten Lockdown geführt. Es hat uns gezeigt, dass unser Verein auch abseits der Frage nach dem Umgang mit Rechtsextremisten einen Kurs fährt, den wir nicht teilen und gutheißen können. Diese Eintracht ist kein anderer Verein – er ist genauso ein Player im großen Spiel wie es andere Vereine sind. Union Berlin fand es während hoher Infektionszahlen vor kurzem noch legitim bis zu 5000 Menschen ins Stadion zu lassen – es war ja noch erlaubt. Wenn nicht einmal Vereine wie jene, die sich als total anders und besonders verstehen, in der Lage sind verantwortungsbewusst zu handeln, werden es die Menschen, Fans und Anhänger*innen ebenso wenig schaffen.

All das hat uns in den vergangenen Wochen und Monaten immer weiter vom Verein entfernt. Es ist traurig, schwer und schade – aber mit diesem Schreiben geht für manchen von uns eine über zwei Jahrzehnte ausgelebte Liebe zu Ende. Wir wünschen euch alles Gute und dem Verein ebenfalls – nur werden wir weder als Faninitiative noch als Einzelpersonen an diesem weiteren Verlauf des Vereins teilhaben.

Eintracht war alles.

Offener Brief: Gesprächsangebot des Vereins

Wie einige von euch vielleicht bereits mitbekommen und verfolgt haben, schickten wir am 14.08.2020 der Vereinsführung von Eintracht Braunschweig einen Offenen Brief (siehe hier), in welchem wir das Schweigen der Fanabteilung auf einen bereits am 18.06.2020 versendeten Offenen Brief (siehe hier) kritisierten und Fragen stellen, die auf den Umgang mit Rechtsextremen innerhalb unserer Fanszene abzielten.

Nun hat der Verein reagiert und uns per Mail geantwortet. In dieser wird eingangs klargestellt, dass „zum Leitbild unseres Vereins und somit auch unserer Fanabteilung gehört, uns für Vielfalt, Toleranz und Respekt und gegen jedwede Form von Rassismus, Diskriminierung sowie Faschismus und Extremismus einzusetzen.“ Weiterhin lädt man uns zu einem Gespräch ein, an welchem der amtierende Präsident, der Geschäftsführer der GmbH, der Leiter der Fanbetreuung der GmbH sowie der Abteilungsleiter der Fanabteilung teilnehmen sollen.

Wir freuen uns über die Reaktion des Vereins und möchten auf dieses Gesprächsangebot eingehen. Kommunikation ist enorm wichtig und nur über diesen Weg können Probleme sichtbar gemacht und gemeinsame Lösungen erarbeitet werden. Wir hoffen, dass der Verein hierbei offen für unsere Anliegen ist und sich auch zu den Fragen verhalten wird, die wir im Offenen Brief formuliert haben.

Angesichts der Wahrung unserer Anonymität sowie der aus unserem Engagement entstehenden möglichen Bedrohungslage werden wir uns jedoch zuvor genau überlegen, welche Rahmenbedingungen für dieses Gespräch sichergestellt sein müssen. Wir finden es selbst sehr schade, dass es nicht möglich ist, das Gespräch ohne Sicherheitsbedenken durchzuführen, müssen jedoch aus den Erfahrungen anderer engagierter Menschen in unserer Fanszene lernen und unseren eigenen Schutz sicherstellen. Zu groß ist die Gefahr durch rechtsextreme Hooligans und ihnen nahestehenden Ultras für kritische Personen innerhalb unserer Fanszene. Dies betrifft uns ebenso wie manch andere von euch vermutlich auch, die sich im Rahmen von Eintracht oder generell unserer Stadt engagieren und sich gegen Diskriminerung einsetzen.

Wir werden euch weiter auf dem Laufenden halten und berichten, sobald es neue Informationen gibt. Bis dahin nehmt doch (falls noch nicht geschehen) an unserer aktuellen Umfrage teil oder lest einen Beitrag zu diskriminierenden Fangesängen.

Faninitiative Braunschweig

Offener Brief an die Vereinsführung

Nachdem wir am 18.06.2020 einen Offenen Brief an die Fanabteilung des Gesamtvereins schickten und in diesem um eine Erklärung des unkritischen Akzeptierens rechtsextremer Fangruppierungen als Unterstützer*innen des Aufrufs „Ich pfeif auf die Kohle, der Eintracht zum Wohle“ sowie die Beantwortung von 4 Fragen baten, bliebt es seitens der Fanabteilung still. Auch eine Nachfrage am 04.08.2020 blieb bis heute unbeantwortet. Man redet nicht mit uns.

Diesen Zustand können und wollen wir nicht akzeptieren. Aus diesem Grund wenden wir uns nun an die nächst höhere Ebene des Vereins: Die Vereinsführung. Erneut mit einem Offenen Brief, da wir viel Zuspruch und Unterstützung erhielten, nachdem wir auf die Problematik des unkritischen Akzeptierens aufmerksam machten. Wir hoffen, an dieser Stelle auf offenere Ohren zu stoßen und haben diesen Brief an viele Personen adressiert, so dass das Präsidium, der Aufsichtsrat sowie unterschiedliche weitere Personen der Vereinsführung diesen Offenen Brief erhalten – sofern wir die richtigen E-Mail-Adressen gefunden haben, welche leider nicht öffentlich zugänglich sind.

Den Offenen Brief findet ihr unten stehend in voller Länge. Teilt diesen gerne in eurer Eintracht-Bubble und sprecht mit Freund*innen und anderen Fans (auch anderer Vereine) über dieses Thema, problematisiert es und lasst den Protest nicht versiegen.

Unkritische Akzeptanz beenden – Rechtsextremen Gruppierungen keinen Raum bieten

An den Geschäftsführer

das Präsidium,

den Aufsichtsrat,

das Vereinsmanagement,

die Presseabteilung sowie

weitere Vertreter*innen der Vereinsführung unserer Braunschweiger Eintracht,

Sehr geehrte Vertreter*innen der Vereinsführung,

als Reaktion auf die Einnahmeausfälle, welche sich im Zuge der Covid-19-Pandemie auch bei unserer Eintracht einstellten, hat die relativ junge Fanabteilung des Gesamtvereins im Mai 2020 die Soli-Aktion „Ich pfeif auf die Kohle, der Eintracht zum Wohle“ ins Leben gerufen, bei welcher Dauerkartenbesitzer*innen auf ihre DK-Rückzahlung verzichten konnten. Diese Aktion fand in unserer Fanszene (und auch bei uns) großen Zuspruch, wie sich in der langen Unterstützer*innenliste zeigte. Leider fanden sich in eben dieser jedoch auch die Namen verschiedener rechter Fangruppierungen der aktiven Szene.

Da unsere Gruppe das Ziel eines diskriminierungsfreien Stadions eint, sehen wir diese schon lange bestehende Akzeptanz rechter Gruppen innerhalb unserer Fanszene als großes Problem, als Bedrohung zahlreicher Personengruppen, welche ebenfalls Fans unserer Eintracht sind. Um diese offensichtliche Akzeptanz nicht unwidersprochen zu lassen und eine Erklärung für dieses unkritische Handeln zu erhalten, wendeten wir uns am 18.06.2020 mit einem Offenen Brief an die Fanabteilung, welcher weiterhin vier Fragen beinhaltete, um dessen Beantwortung wir baten. Trotz einer freundlichen Nachfrage am 04.08.2020 erhielten wir bis heute keine Antwort. Es wurde in keinerlei Weise reagiert.

Dass Schweigen der Fanabteilung finden wir höchst problematisch. Als Teil des Gesamtvereins sollte sie die Werte des Vereins teilen und ihre Rolle als Ansprechpartnerin, welche sie sich selbst auch gibt, nicht nur dann annehmen, wenn die Rückmeldungen positiver Natur sind. Ein stilles Akzeptieren rechter Fangruppen innerhalb der eigenen Szene steht der Erfüllung dieser Ansprüche jedoch diametral gegenüber. Angesichts der personellen Verbindungen zwischen in Teilen rechtsoffener Ultraszene und rechtsextremer Hooliganszene sowie einem stellvertretenden Abteilungsleiter aus den Reihen von „Cattiva Brunsviga“, welche als Gruppe ebenfalls rechtsextreme Gruppen bei ihren Soli-Turnieren akzeptiert, ist es jedoch fast wenig erstaunlich, dass die Reaktion auf unseren Offenen Brief in dieser Form ausfällt.

Eben deshalb wenden wir uns an Sie, als höhere Ebene innerhalb des Vereins, als öffentliche Repräsentant*innen. Immer wieder positioniert sich der Verein in Statements für ein tolerantes Miteinander in Vielfalt und Eintracht, distanziert sich von diskriminierenden Inhalten und Taten, wie wir sie in der Vergangenheit leider immer wieder im Stadion erleben mussten. Jedoch bleibt ein weitergehendes Handeln oftmals aus. Viele der als rechtsextrem bekannten Gruppen sind schon über viele Jahre und Jahrzehnte Teil unserer aktiven Fanszene, haben ihrer Gesinnung wiederholt auf verschiedenem Wege Ausdruck verliehen und dabei zahlreiche Menschen verletzt, bedroht, gefährdet oder diskriminiert.

Viele Anhänger*innen unserer Eintracht, die sich an den gegenwärtigen Zuständen stören, Angst vor Gewalt und Diskriminierung haben schweigen auch aus diesen Gründen innerhalb des Stadions hin und wieder, wenn diskriminierende Beleidigungen zu hören sind und ein Einschreiten die Gefährdung der eigenen Gesundheit bedeuten. Diese Problematik ist keine dem Verein allein innewohnende. Viel mehr drückt sich die gesellschaftliche Stimmung innerhalb des Stadions aus, reflektiert den Zustand unserer Gesellschaft in besonderer Art und Weise. Es bedarf daher auch innerhalb der Fanszene einer kritischen Diskussion dieser Zustände, welche in Braunschweig jedoch bislang nicht stattfindet. Um diese Debatte in Gang zu setzen, ist auch dieser Brief öffentlich. Hinter ihm stehen mehr Menschen, als unsere Gruppe Mitglieder hat. Diesen Zuspruch erhalten wir neben Kritik, Beleidigungen und Drohungen ebenfalls. Um nun auch den Verein aktiv in die Debatte einzubeziehen und Ihre Sichtweise auf diese Themen kennenzulernen, bitten wir Sie um die Beantwortung der folgenden Fragen:

1. Wie steht der Verein zum Vorgehen der Fanabteilung, als rechtsextrem bekannte Fangruppierungen nicht von der Unterstützer*innenliste der Aktion „Ich pfeif auf die Kohle, der Eintracht zum Wohle“ zu streichen?

2. Wieso wurde in der Vergangenheit nicht aktiv gegen Gruppierungen vorgegangen, die sich wiederholt als rechtsextrem zu erkennen gegeben haben bzw. in der Vergangenheit an gewaltsamen Übergriffen im Rahmen von Eintracht-Spielen auf antifaschistische Personen beteiligt waren?

3. Plant der Verein Maßnahmen abseits der präventiven Arbeit, um der fortwährenden Präsenz rechtsextremer Gruppen und Personen innerhalb des Stadions Einhalt zu bieten?

4. Sehen Sie es als problematisch an, dass in der Fanabteilung ein Vertreter von „Cattiva Brunsviga“ vertreten ist, dessen Mitglieder in Teilen persönliche Verbindungen zu rechtsextremen Fangruppen haben und diese bei ihren eigenen Soli-Turnieren mitwirken lassen?

Um weitergehend für Diskriminierung zu sensibilisieren sowie ein Bild von erlebter und beobachteter Diskriminierung im Rahmen von Spielen der Eintracht zu erhalten, haben wir eine Umfrage, welche eben solche Erfahrungen erheben möchte, online gestellt. Weiterhin stellen wir einen neuen Beitrag online, welcher sich mit den diskriminierenden Hintergründen verschiedener Lieder/Gesänge und Begriffen auseinandersetzt. Zur Unterstützung der internen Sensibilisierung und Auseinandersetzung bitten wir Sie weiterhin auch die Fanabteilung auf das Schweigen zu unserem Offenen Brief anzusprechen. Nur gemeinsam, nur im Dialog und nur mit offenen Augen und Ohren können wir diskriminierende Vorfälle verhindern und erfolgreich gegen bestehende Strukturen rechter Personen und Gruppen aktiv sein. Weiteren Dialogen zu diesen Themen sowie Kooperationen im Kontext unserer Zielsetzungen stehen wir jederzeit offen gegenüber.

Wir würden uns sehr über eine Reaktion sowie die Beantwortung der gestellten Fragen freuen.

Blau-gelbe Grüße

Braunschweiger Faninitiative gegen Rassismus und Diskriminierung

„Wir tun doch genug!“ – oder?

Seit 1996 ist der 27. Januar der bundesdeutsche Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus. In den vergangenen Jahren hielt eben dieses Gedenken auch zunehmend Einzug in die deutschen Fußballstadien. Zahlreiche Vereine und ebenso zahlreiche Fanszenen widmeten den Millionen Opfern des Nationalsozialismus einige Minuten vor Spielbeginn, verlasen Gedenkschriften oder zeigten Transparente, Schilder und Doppelhalter, welche an die Grundwerte unserer heutigen Demokratie appellieren und sich gegen Antisemitismus, Rassismus und Fremdenfeindlichkeit richteten. Manch einer mag nun fragen, was diese scheinbar rein politischen Botschaften im Rahmen eines Fußballspiels zu suchen haben. Geht es nicht um die Mannschaft, den eigenen Verein?

Ja, das tut es. Doch war der Nationalsozialismus kein rein politisches Phänomen – er war auch ein soziales, welches insbesondere durch seine außerparlamentarischen Auswirkungen an Schrecken und Bedrohung gewann. Sozialer Ausschluss, Gewalt und dauerhafte Bedrohung, auch innerhalb von Sportvereinen, waren die lebensweltliche Realität aller, die von Nationalsozialisten als nicht „Feinde des deutschen Volkes“ beurteilt wurden – und die Gruppe dieser Menschen war größer, als manch einer es erahnen mag, wie die Worte des Protestanten Martin Niemöller erahnen lassen:

„Wir tun doch genug!“ – oder? weiterlesen