Offener Brief an die Vereinsführung

Nachdem wir am 18.06.2020 einen Offenen Brief an die Fanabteilung des Gesamtvereins schickten und in diesem um eine Erklärung des unkritischen Akzeptierens rechtsextremer Fangruppierungen als Unterstützer*innen des Aufrufs „Ich pfeif auf die Kohle, der Eintracht zum Wohle“ sowie die Beantwortung von 4 Fragen baten, bliebt es seitens der Fanabteilung still. Auch eine Nachfrage am 04.08.2020 blieb bis heute unbeantwortet. Man redet nicht mit uns.

Diesen Zustand können und wollen wir nicht akzeptieren. Aus diesem Grund wenden wir uns nun an die nächst höhere Ebene des Vereins: Die Vereinsführung. Erneut mit einem Offenen Brief, da wir viel Zuspruch und Unterstützung erhielten, nachdem wir auf die Problematik des unkritischen Akzeptierens aufmerksam machten. Wir hoffen, an dieser Stelle auf offenere Ohren zu stoßen und haben diesen Brief an viele Personen adressiert, so dass das Präsidium, der Aufsichtsrat sowie unterschiedliche weitere Personen der Vereinsführung diesen Offenen Brief erhalten – sofern wir die richtigen E-Mail-Adressen gefunden haben, welche leider nicht öffentlich zugänglich sind.

Den Offenen Brief findet ihr unten stehend in voller Länge. Teilt diesen gerne in eurer Eintracht-Bubble und sprecht mit Freund*innen und anderen Fans (auch anderer Vereine) über dieses Thema, problematisiert es und lasst den Protest nicht versiegen.

Unkritische Akzeptanz beenden – Rechtsextremen Gruppierungen keinen Raum bieten

An den Geschäftsführer

das Präsidium,

den Aufsichtsrat,

das Vereinsmanagement,

die Presseabteilung sowie

weitere Vertreter*innen der Vereinsführung unserer Braunschweiger Eintracht,

Sehr geehrte Vertreter*innen der Vereinsführung,

als Reaktion auf die Einnahmeausfälle, welche sich im Zuge der Covid-19-Pandemie auch bei unserer Eintracht einstellten, hat die relativ junge Fanabteilung des Gesamtvereins im Mai 2020 die Soli-Aktion „Ich pfeif auf die Kohle, der Eintracht zum Wohle“ ins Leben gerufen, bei welcher Dauerkartenbesitzer*innen auf ihre DK-Rückzahlung verzichten konnten. Diese Aktion fand in unserer Fanszene (und auch bei uns) großen Zuspruch, wie sich in der langen Unterstützer*innenliste zeigte. Leider fanden sich in eben dieser jedoch auch die Namen verschiedener rechter Fangruppierungen der aktiven Szene.

Da unsere Gruppe das Ziel eines diskriminierungsfreien Stadions eint, sehen wir diese schon lange bestehende Akzeptanz rechter Gruppen innerhalb unserer Fanszene als großes Problem, als Bedrohung zahlreicher Personengruppen, welche ebenfalls Fans unserer Eintracht sind. Um diese offensichtliche Akzeptanz nicht unwidersprochen zu lassen und eine Erklärung für dieses unkritische Handeln zu erhalten, wendeten wir uns am 18.06.2020 mit einem Offenen Brief an die Fanabteilung, welcher weiterhin vier Fragen beinhaltete, um dessen Beantwortung wir baten. Trotz einer freundlichen Nachfrage am 04.08.2020 erhielten wir bis heute keine Antwort. Es wurde in keinerlei Weise reagiert.

Dass Schweigen der Fanabteilung finden wir höchst problematisch. Als Teil des Gesamtvereins sollte sie die Werte des Vereins teilen und ihre Rolle als Ansprechpartnerin, welche sie sich selbst auch gibt, nicht nur dann annehmen, wenn die Rückmeldungen positiver Natur sind. Ein stilles Akzeptieren rechter Fangruppen innerhalb der eigenen Szene steht der Erfüllung dieser Ansprüche jedoch diametral gegenüber. Angesichts der personellen Verbindungen zwischen in Teilen rechtsoffener Ultraszene und rechtsextremer Hooliganszene sowie einem stellvertretenden Abteilungsleiter aus den Reihen von „Cattiva Brunsviga“, welche als Gruppe ebenfalls rechtsextreme Gruppen bei ihren Soli-Turnieren akzeptiert, ist es jedoch fast wenig erstaunlich, dass die Reaktion auf unseren Offenen Brief in dieser Form ausfällt.

Eben deshalb wenden wir uns an Sie, als höhere Ebene innerhalb des Vereins, als öffentliche Repräsentant*innen. Immer wieder positioniert sich der Verein in Statements für ein tolerantes Miteinander in Vielfalt und Eintracht, distanziert sich von diskriminierenden Inhalten und Taten, wie wir sie in der Vergangenheit leider immer wieder im Stadion erleben mussten. Jedoch bleibt ein weitergehendes Handeln oftmals aus. Viele der als rechtsextrem bekannten Gruppen sind schon über viele Jahre und Jahrzehnte Teil unserer aktiven Fanszene, haben ihrer Gesinnung wiederholt auf verschiedenem Wege Ausdruck verliehen und dabei zahlreiche Menschen verletzt, bedroht, gefährdet oder diskriminiert.

Viele Anhänger*innen unserer Eintracht, die sich an den gegenwärtigen Zuständen stören, Angst vor Gewalt und Diskriminierung haben schweigen auch aus diesen Gründen innerhalb des Stadions hin und wieder, wenn diskriminierende Beleidigungen zu hören sind und ein Einschreiten die Gefährdung der eigenen Gesundheit bedeuten. Diese Problematik ist keine dem Verein allein innewohnende. Viel mehr drückt sich die gesellschaftliche Stimmung innerhalb des Stadions aus, reflektiert den Zustand unserer Gesellschaft in besonderer Art und Weise. Es bedarf daher auch innerhalb der Fanszene einer kritischen Diskussion dieser Zustände, welche in Braunschweig jedoch bislang nicht stattfindet. Um diese Debatte in Gang zu setzen, ist auch dieser Brief öffentlich. Hinter ihm stehen mehr Menschen, als unsere Gruppe Mitglieder hat. Diesen Zuspruch erhalten wir neben Kritik, Beleidigungen und Drohungen ebenfalls. Um nun auch den Verein aktiv in die Debatte einzubeziehen und Ihre Sichtweise auf diese Themen kennenzulernen, bitten wir Sie um die Beantwortung der folgenden Fragen:

1. Wie steht der Verein zum Vorgehen der Fanabteilung, als rechtsextrem bekannte Fangruppierungen nicht von der Unterstützer*innenliste der Aktion „Ich pfeif auf die Kohle, der Eintracht zum Wohle“ zu streichen?

2. Wieso wurde in der Vergangenheit nicht aktiv gegen Gruppierungen vorgegangen, die sich wiederholt als rechtsextrem zu erkennen gegeben haben bzw. in der Vergangenheit an gewaltsamen Übergriffen im Rahmen von Eintracht-Spielen auf antifaschistische Personen beteiligt waren?

3. Plant der Verein Maßnahmen abseits der präventiven Arbeit, um der fortwährenden Präsenz rechtsextremer Gruppen und Personen innerhalb des Stadions Einhalt zu bieten?

4. Sehen Sie es als problematisch an, dass in der Fanabteilung ein Vertreter von „Cattiva Brunsviga“ vertreten ist, dessen Mitglieder in Teilen persönliche Verbindungen zu rechtsextremen Fangruppen haben und diese bei ihren eigenen Soli-Turnieren mitwirken lassen?

Um weitergehend für Diskriminierung zu sensibilisieren sowie ein Bild von erlebter und beobachteter Diskriminierung im Rahmen von Spielen der Eintracht zu erhalten, haben wir eine Umfrage, welche eben solche Erfahrungen erheben möchte, online gestellt. Weiterhin stellen wir einen neuen Beitrag online, welcher sich mit den diskriminierenden Hintergründen verschiedener Lieder/Gesänge und Begriffen auseinandersetzt. Zur Unterstützung der internen Sensibilisierung und Auseinandersetzung bitten wir Sie weiterhin auch die Fanabteilung auf das Schweigen zu unserem Offenen Brief anzusprechen. Nur gemeinsam, nur im Dialog und nur mit offenen Augen und Ohren können wir diskriminierende Vorfälle verhindern und erfolgreich gegen bestehende Strukturen rechter Personen und Gruppen aktiv sein. Weiteren Dialogen zu diesen Themen sowie Kooperationen im Kontext unserer Zielsetzungen stehen wir jederzeit offen gegenüber.

Wir würden uns sehr über eine Reaktion sowie die Beantwortung der gestellten Fragen freuen.

Blau-gelbe Grüße

Braunschweiger Faninitiative gegen Rassismus und Diskriminierung

2 Gedanken zu „Offener Brief an die Vereinsführung“

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