Offener Brief: Gesprächsangebot des Vereins

Wie einige von euch vielleicht bereits mitbekommen und verfolgt haben, schickten wir am 14.08.2020 der Vereinsführung von Eintracht Braunschweig einen Offenen Brief (siehe hier), in welchem wir das Schweigen der Fanabteilung auf einen bereits am 18.06.2020 versendeten Offenen Brief (siehe hier) kritisierten und Fragen stellen, die auf den Umgang mit Rechtsextremen innerhalb unserer Fanszene abzielten.

Nun hat der Verein reagiert und uns per Mail geantwortet. In dieser wird eingangs klargestellt, dass „zum Leitbild unseres Vereins und somit auch unserer Fanabteilung gehört, uns für Vielfalt, Toleranz und Respekt und gegen jedwede Form von Rassismus, Diskriminierung sowie Faschismus und Extremismus einzusetzen.“ Weiterhin lädt man uns zu einem Gespräch ein, an welchem der amtierende Präsident, der Geschäftsführer der GmbH, der Leiter der Fanbetreuung der GmbH sowie der Abteilungsleiter der Fanabteilung teilnehmen sollen.

Wir freuen uns über die Reaktion des Vereins und möchten auf dieses Gesprächsangebot eingehen. Kommunikation ist enorm wichtig und nur über diesen Weg können Probleme sichtbar gemacht und gemeinsame Lösungen erarbeitet werden. Wir hoffen, dass der Verein hierbei offen für unsere Anliegen ist und sich auch zu den Fragen verhalten wird, die wir im Offenen Brief formuliert haben.

Angesichts der Wahrung unserer Anonymität sowie der aus unserem Engagement entstehenden möglichen Bedrohungslage werden wir uns jedoch zuvor genau überlegen, welche Rahmenbedingungen für dieses Gespräch sichergestellt sein müssen. Wir finden es selbst sehr schade, dass es nicht möglich ist, das Gespräch ohne Sicherheitsbedenken durchzuführen, müssen jedoch aus den Erfahrungen anderer engagierter Menschen in unserer Fanszene lernen und unseren eigenen Schutz sicherstellen. Zu groß ist die Gefahr durch rechtsextreme Hooligans und ihnen nahestehenden Ultras für kritische Personen innerhalb unserer Fanszene. Dies betrifft uns ebenso wie manch andere von euch vermutlich auch, die sich im Rahmen von Eintracht oder generell unserer Stadt engagieren und sich gegen Diskriminerung einsetzen.

Wir werden euch weiter auf dem Laufenden halten und berichten, sobald es neue Informationen gibt. Bis dahin nehmt doch (falls noch nicht geschehen) an unserer aktuellen Umfrage teil oder lest einen Beitrag zu diskriminierenden Fangesängen.

Faninitiative Braunschweig

Von „Schwuchtel“ bis „Affe“ – Diskriminierung in unserer Kurve

Content Note: Da wir in diesem Text diskriminierende Begriffe & Inhalte verschiedener Lieder thematisieren, ist an einigen Stellen die Nennung diskriminierender Wörter und Liedzeilen zur Darstellung des Problems leider notwendig. Wer sich diesen Inhalten nicht aussetzen möchte, sollte den Beitrag in dieser Form nicht lesen. Gerne könnt ihr euch bei uns melden und eine Version ohne die offene Nennung der Begriffe per Mail erhalten.

Dieser Beitrag soll über diskriminierende Gesänge und Begriffe innerhalb unserer Fanszene aufklären und sensibilisieren. Zu weit sind sie noch immer verbreitet, zu häufig im Umfeld unserer Eintracht zu vernehmen. Eben deshalb haben wir eine Sammlung diskriminierender Lieder sowie Begriffen erstellt und ihre jeweils diskriminierende Wirkung dargestellt und problematisiert. Diese Auflistung ist nicht erschöpfend oder vollständig – sollten euch weitere Gesänge/Begriffe im Sinn sein, die aufgenommen werden sollen, teilt uns dies gerne mit.

Ja, Fankultur lebt auch von Rivalität, Pöbeleien und verbalen Auseinandersetzungen mit den gegnerischen Fans. Doch dort, wo Inhalte diskriminierend sind, Menschen, ob unmittelbar beteiligt oder nicht, aufgrund von Hautfarbe, Sexualität, Geschlecht oder anderen Eigenschaften, angegriffen werden, endet Fankultur. Die immer wieder zu vernehmenden Floskeln von „Das ist beim Fußball halt so“ oder „Das ist doch nicht so gemeint“ greifen hier nicht mehr.

Da wir überzeugt sind, dass die Veränderung aus der Fanszene und dem Verein selbst entstehen muss, soll dieser Beitrag auch Anstoß sein zum individuellen Reflektieren der eigenen Worte und Taten. Wir können diskriminierende Begriffe weglassen, sie problematisieren. Wir können den Mund aufmachen, wenn wir von anderen Fans diskriminierende Äußerungen, Beleidigungen oder Gesänge wahrnehmen. Einstehen für unsere Werte und Überzeugungen – und jene des Vereins. Mit diesen, auch wenn der Verein sich im Umgang mit rechtsextremen Gruppen immer wieder anders verhält und seine Werte umkurvt, sind die folgenden Gesänge und Begriffe zumindest nicht vereinbar:

„Eine U-Bahn, eine U-Bahn, eine U-Bahn bauen wir, von Hannover bis nach Auschwitz, eine U-Bahn bauen wir.“

Früher als Teil des etablierten Liedguts zu verschiedensten Anlässen (Derby, Auswärtsfahrten, im Umfeld des Stadions, …) in trauriger Wiederkehr zu vernehmen, ist dieser antisemitische Gesang heute zumeist nur noch in rechtsextremen und ihrem Umfeld akzeptiert und wahrnehmbar. Doch ist auch diese Akzeptanz ein Problem, weshalb es auch diese zwar geringere, aber noch vorhandene Akzeptanz zu problematisieren gilt – wegen des antisemitischen Inhalts sowie zur Verhinderung einer Re-Etablierung. Angesichts der bis zuletzt offen gezeigten rechtsextremen Positionen von Teilen der aktiven Szene um Block 8 & 9 und der halbherzigen Distanzierungsversuche von diesen Inhalten seitens der Ultra-Szene, insbesondere Cattiva, ist ein Versuch der erneuten Etablierung solcher Texte in weitere Teile des Stadions und der Fanszene nicht auszuschließen.

Allein die Bezugnahme auf einen solch, in erschreckender Natur symbolträchtigen Ort wie Auschwitz, wo die Nationalsozialist*innen weit mehr als eine Million überwiegend jüdische Menschen systematisch vernichteten, gibt diesem Gesang einen antisemitischen Grundzug. Er verharmlost weiterhin die Shoa und übernimmt die nationalsozialistische Logik von Entmenschlichung und Vernichtung im Bezug auf Hannoveraner*innen. Bei aller Rivalität zu Hannover, die Grenzen der Menschlichkeit müssen auch die Grenzen der Auseinandersetzung zwischen verfeindeten Fanlagern sein. Die Relativierung des nationalsozialistischen Schreckens, des industriellen Massenmords, darf kein Mittel der fußballerischen Auseinandersetzung sein – sie darf keinen Platz in Kurve, Fanszene und Gesellschaft haben.

Die letzte uns bekannte Bezugnahme innerhalb des Stadions gab es im Derby am 06.11.2016 per Spruchband: „Wischt euch den Angstschweiß von der Stirn. Die U-Bahn wird heute nicht gebaut“. Es macht auch deutlich, in welchem Bereich der Kurve dieses Lied noch immer Akzeptanz findet.

„Jude“, „Juden Jena“

Wenn das Wort „Jude“ als Beleidigung verwendet wird, ist der antisemitische Charakter offensichtlich. Diese Beleidigung basiert auf einer Abwertung des Judentums und geht mit einer Zuschreibung vermeintlich „jüdischer Eigenschaften“ gegenüber ihren Anhänger*innen einher, wie sie von den Nationalsozialist*innen propagiert wurden. Die Nutzung dieses Begriffs als Beleidigung verharmlost die systematische Vernichtung jüdischer Menschen im Nationalsozialismus. Weiterhin bedient sich diese Beleidigung Inhalten antisemitischer Verschwörungstheorien und Ideologien und befeuern ihre Verbreitung und Etablierung.

„Neger“, „schwarze Sau“, „Affe“

Anders als bei vielen hier problematisierten Begriffen handelt es sich beim Wort „Neger“ um einen bereits über mehrere Jahrhunderte etablierten Begriff, welcher sich erst in den letzten Jahrzehnten zunehmend aus der Umgangssprache verabschiedet – jedoch bis heute zu hören ist. Diese alltägliche Verbreitung im Sprachgebrauch hat den Begriff jedoch nie von seinem diskriminierenden Charakter gelöst, sondern zeigte viel mehr die Normalität von Rassismen innerhalb unserer Gesellschaft. Etabliert im Zuge der zunehmenden Entstehung und Verbreitung von Rassentheorien, welche die Menschheit in unterschiedliche Rassen unterteilen und hierbei zumeist von einer „arischen Herrenrasse“ bzw. „weißer Überlegenheit“ sowie „unzivilisierten“, „gewalttätigen“, „unterentwickelten“ und „weniger intelligenten“ schwarzen Menschen bzw. einer „schwarzen Unterlegenheit“ sprechen, sind dies auch heute noch zentrale Zuschreibungen für den Begriff „Neger“. Mit der Nutzung dieses Begriffs begibt man sich in eben jene ideologischen Zusammenhänge von Kolonialismus, Rassentheorie und Unterdrückung. Er ist daher schon vom Ursprung her rassistisch, kann diese Eigenschaft auch nicht ablegen bzw. verlieren und zutiefst menschenverachtend.

Die Beleidigungen „schwarze Sau“ oder „Affe“ zielen hierbei ebenfalls auf eben diese Rassenlogik evolutionärer Überlegenheit weißer Menschen ab. Die Begriffe mögen aufgrund ihres tierischen Ursprungs weniger diskriminierend erscheinen, jedoch stellt die bewusste Nennung „schwarz“ vor „Sau“ eine rassistische Bezugnahme dar, welche aus der sonst schlicht beleidigenden Bezeichnung „Sau“ einen rassistisch-diskriminierende Beleidigung werden lässt. „Affe“ hingegen stellt einen unmittelbaren Bezug zur Theorie der evolutionären Unterlegenheit und geringeren Entwicklung schwarzer Menschen dar, welchen so auf Basis als „natürlich“ angenommener Rassenhierarchien das Mensch sein abgesprochen wird. Vermeintlich harmlose Begriffe mit tief rassistischem Charakter. All diese Begriffe können auch argumentativ nicht von ihrem rassistischen Kern getrennt werden und dürfen keinen Platz im Stadion und unserer Fanszene finden.

In Hannover, in Hannover, fickt der Vater seinen Sohn und die Mutter leckt die Tochter, ja, das ist da Tradition.“

Für viele mag dieser häufig wahrnehmbare Gesang gar nicht unmittelbar diskriminierend wirken. Die Nutzung von Inzest als Basis der Beleidigung mag eher wie eine geschmack- und einfallslose Form der Fußballpöbelei erscheinen. Jedoch steckt in der beschrieben Kombination von Vater & Sohn sowie Mutter & Tochter eine homophobe Komponente, da die homosexuelle Intimität als Erweiterung der Inzest-Beleidigung genutzt und dadurch eine negative Bezugnahme zu gleichgeschlechtlicher Liebe vorgenommen wird. Insbesondere diese lässt den eindeutig diskriminierenden Charakter des Liedes sichtbar werden und sollte Anstoß dazu sein, über andere Formen der verbalen Auseinandersetzung mit Hannover nachzudenken & zu diskutieren.

„Hurensohn“ / „Hure“, „Fotze“, „Schlampe“, …

Die oben stehende Auflistung ist nicht erschöpfend, zu vielfältig ist die Auswahl unterschiedlichster Beleidigungen mit ähnlicher Botschaft. Hierbei lässt sich innerhalb der Diskriminierungsform „Sexismus“ bzw. „Misogynie“ nochmals in unterschiedliche Bereiche differenzieren:

So wertet die beleidigende Verwendung der Begriffe „Hure“, „Schlampe“ oder „Nutte“ die Tätigkeit und Würde von Sexarbeiterinnen ab und schreibt Sexarbeit einen schmutzigen, minderwertigen Charakter zu. Dass Sexarbeiterinnen sich teilweise selbst als „Huren“ bezeichnen, ändert an diesem diskriminierenden Charakter nichts. Dabei handelt es sich um eine individuelle Selbstbezeichnung, welche stets mit einer positiven Bezugnahme auf die eigene Berufstätigkeit einhergeht – im Gegensatz zum beleidigenden Gebrauch. Weiterhin werden diese Begriffe als Bezeichnungen für Frauen genutzt, welche häufig wechselnde Sexualpartner*innen haben, während dies bei Männern in gleichen sozialen Kreisen zumeist positiv beurteilt wird. Auch dies stellt eine sexistische Diskriminierung dar. „Hurensohn“ stellt weiterhin die Übertragung der negativen Zuschreibung der Mutter auf die beleidigte Person dar und nutzt somit die dargestellte Logik der Diskriminierung in gleichem Maße.

Begriffe wie „Fotze“ oder „Muschi“ hingegen drücken eine allgemeine Frauenverachtung aus, welche nicht nur die Frau zum sexualisierten Objekt werden lassen, sondern gleichzeitig eine Reduzierung auf das Geschlechtsorgan vornehmen. Der Begriff „Muschi“ beinhaltet zugleich eine Zuschreibung von vermeintlich negativen „weiblichen“ Eigenschaften wie Schwäche oder Mutlosigkeit und soll, gegen Männer gerichtet, so die fehlenden Männlichkeit der beleidigten Person ausdrücken. Zu Grunde liegen dieser Form der Verwendung frauenverachtende, patriarchale Denkstrukturen, in welchen vermeintliche Stärke, Härte und Kampfeswille als „männlich“ und positiv gelten.

Trotz der durch eine weite gesellschaftliche Verbreitung manchmal ganz beiläufigen, alltäglichen Verwendung all dieser Begriffe in manchen Teilen der Gesellschaft, tragen Begriffe wie die genannten einen tiefen entmenschlichenden & frauenfeindlichen Charakter in sich. Insbesondere aufgrund diesen Charakters sowie der hohen Verbreitung sollte die Nutzung dieser Begrifflichkeiten kritisch reflektiert und vermieden werden.

„Schwuchtel“, „schwul“, „Schwuler, Schwuler“, „Homo“

Ebenfalls weit verbreitet sind homophobe Beleidigungen wie die oben genannten. Dabei findet eine Zuschreibung vermeintlich negativer und „homosexueller“ Eigenschaften wie „schwach“, „verweichlicht“ oder „unmännlich“ statt. Auch hier greift die Logik des „starken Mannes“ als Ideal. Werden Frauen in ähnlicher, mit Bezug auf Homosexualität versehener Art beleidigt, findet dabei wiederum eine Zuschreibung als „unweiblich“ oder „männlich“ statt. Ziel der Beleidigung ist dabei der Angriff auf die vermeintlich fehlende Entsprechung des Verhaltens und Erscheinens zum biologischen Geschlecht, was neben einer homophoben Ebene auch eine generelle LGBTQ-Feindlichkeit und Ablehnung geschlechtlicher Vielfalt beinhaltet. Selbst wenn die Intention der Beleidigung eine andere ist und als Folge einer Veralltäglichung ganz beiläufig verwendet wird, ändert dies nichts an eben diesem diskriminierenden Charakter.

„Spasti“, „Spast“, „Behinderter“, …

Eine ebenfalls weit verbreitete Form diskriminierender Beleidigungen ist die Feindlichkeit gegenüber Menschen mit Behinderung, welche sich in oben genannter sowie vielen anderen Begriffen ausdrückt – auch gegen Menschen ohne Behinderung. Hierbei findet eine Abwertung von Menschen mit geistiger oder körperlicher Behinderung statt, welche auf einer darin eingeschlossenen pauschalen negativen Darstellung der Eigenschaften, die aus der Behinderung resultieren, basiert. Eng verbunden damit ist eine hierarchische Überordnung eines „gesunden Normaltypus“ gegenüber Menschen mit Behinderung. Auch die veralltäglichte Nutzung dieser Begriffe löst sie nicht von diesem Charakter, sondern trägt viel mehr zur Normalisierung dieser Diskriminierung bei.

Und nun?

Für all diese Beleidigungen gilt, dass sie auch ohne die diskriminierende Intention versehen eine diskriminierende Wirkung haben. Insbesondere in einem Rahmen wie einem Spiel unserer Eintracht, ob Heim oder Auswärts, sind viele Menschen auf engem Raum, ob im Stadion, der Bahn oder dem Zug. Dort sind immer auch Menschen, für welche die jeweilige Beleidigung unmittelbar diskriminierend wirkt, da sie der jeweils diskriminierten Gruppe angehören – und selbst wenn nicht, handelt es sich bei der Verwendung diskriminierender Begriffe und Gesänge um einen Akt der Verbreitung antisemitischer, rassistischer sexistischer, homophober oder anders diskriminierender Inhalte, woraus schon für sich die Notwendigkeit einer Problematisierung entsteht.

Allein unser Verein umfasst Menschen aus vielfältigsten sozialen Kontexten, seine Werte beinhalten den gegenseitigen Respekt in alle (demokratischen) Ecken der Gesellschaft hinein und basieren auf Solidarität und Miteinander. Da der Fußball auf den Rängen trotz aller positiven Entwicklungen (insbesondere in einzelnen Fanszenen) noch immer sehr weiß, heterosexuell und männlich geprägt ist, werden diskriminierende Wirkungen von Gesängen/Liedern/Begriffen insbesondere im Stadion oftmals nicht als das wahrgenommen, was sie sind. Ein weiterer Grund dafür ist, dass all diese Diskriminierungen tief in der Gesellschaft verwurzelt sind und dies weiterhin dazu führt, dass auch jene Menschen, die keiner rassistischen, antisemitischen oder homophoben Ideologie/Denkweise folgen, diskriminierende Begriffe nutzen. Es ist daher wichtig, sich der diskriminierenden Wirkung & Folgen bewusst zu werden und das eigene Handeln zu reflektieren – wiederholt und kritisch. Gemeint sind hiermit wir alle, denn nur gemeinsam, in Eintracht, sind wir in der Lage, jene Stimmen, die überzeugte Antisemit*innen sind und/oder homophobe, sexistische oder anderweitig diskriminierende Einstellungen teilen, aus unserem Stadion fern zu halten und so einen diskriminierungsfreien Raum zu schaffen, in welchem sich wirklich eine bunte Eintracht auf den Rängen finden kann.

Abschließend möchten wir euch, sofern ihr nicht anderswo bereits davon gelesen habt oder von dort auf diesen Beitrag gelangt seid, unsere aktuelle Umfrage zu Diskriminierung im Umfeld der Spiele unserer Eintracht hinweisen. Um einen besseren Eindruck von der Verbreitung und Wahrnehmung von Diskriminierung zu bekommen, fragen wir euch dort nach euren Begegnungen und Erfahrungen mit Diskriminierung im Rahmen von Eintracht-Spielen. Wir würden uns freuen, wenn ihr euch die ca. 10 Minuten Zeit zum Beantworten der Fragen nehmt. Gerne könnt ihr auch andere Anhänger*innen unserer Eintracht auf die Umfrage sowie diesen Beitrag hinweisen.

Vielen Dank!

Faninitiative Braunschweig

Offener Brief an die Fanabteilung

Erst einmal möchten wir uns auf diesem Wege für das große Interesse an unserem letzten Beitrag „Unkritische Akzeptanz beenden“ bedanken und freuen uns, dass so viele Menschen den Beitrag gelesen und offensichtlich teilweise auch geteilt haben. Ihr unterstützt unsere Arbeit durch das Teilen und Verbreiten unserer Beiträge in großartiger Art und Weise – denn nur dann, wenn die Themen auch in die Fanszene getragen werden, kann sich ein wirklich spürbarer Wandel in Gang setzen und langfristig vollziehen.

Aus diesem Grund sowie den inzwischen zahlreichen Zuschriften, die uns erreichen und vermitteln, dass wir nicht allein mit unseren Sorgen hinsichtlich der Akzeptanz rechtsextremer Gruppierungen und Personen in unserer Fanszene sind, haben wir uns kurzum entschieden einen Offenen Brief (siehe unten) an die Fanabteilung zu formulieren, in welchem wir auf die im letzten Beitrag angefügte Kritik an der Aufnahme rechtsextremer Gruppierungen in den Unterstützer*innenkreis des Aufrufs „Ich pfeif auf die Kohle, der Eintracht zum Wohle“ Bezug nehmen und Fragen stellen. Zukünftig wollen wir verstärkt den Kontakt und Dialog mit verschiedenen Akteuren von Verein, Fanszene und Umfeld suchen und hoffen auf diesem Wege eine Sensibilisierung für das Thema zu erreichen und zugleich Veränderungen anstoßen zu können.

Wir würden uns freuen, wenn auch dieser Offene Brief viele Leser*innen findet und über soziale Netzwerke, Foren oder andere Wege geteilt wird und den Weg in die Tiefe unserer Fanszene findet.

Nun der Text des Offenen Briefs:

Unkritische Akzeptanz beenden – Rechtsextremen Gruppierungen keinen Raum bieten

Lieber Mario Goldmann,

liebe Fanabteilung des Gesamtvereins,

wir, die Faninitiative gegen Rassismus und Diskriminierung, wenden uns heute mit einem Anliegen an euch, welches uns und viele andere Eintracht-Fan bereits seit langer Zeit beschäftigt und in den vergangenen Monaten und Jahren nicht nur von uns immer wieder kritisiert wurde: Die Akzeptanz rechtsextremer Gruppierungen und Personen in der Mitte unserer Fanszene seitens verschiedener Akteur*innen.

Als zumindest in Teilen Mitglieder der aktiven Fanszene wissen wir um die gute und wichtige Präventions- und Aufklärungsarbeit, welche insbesondere das Fanprojekt, aber auch weitere Akteur*innen seit Jahren leisten und welche auch seitens des Vereins unterstützt und gefördert wird. Doch ist dies leider nicht genug, um vorhandene Missstände zu beseitigen und sich dem Problem ernsthaft anzunehmen. Zu verfestigt und gewachsen sind die Strukturen des Schweigens, der Akzeptanz und des Wegsehens, wenn es um rechtsextreme Gruppierungen innerhalb unserer Fanszene geht. Wohin dies führen kann, haben die Erfahrungen aus den vergangenen Jahren in Braunschweig selbst sowie weitere traurige Beispiele aus Aachen, Duisburg oder Chemnitz deutlich gemacht: Rechtsextreme Hooligans, eingebettet in solide Netzwerke aus sozialen Kontakten und Freundschaften innerhalb der Fanszene, greifen nach der Deutungshoheit in Szene und Kurve und attackieren jene körperlich und verbal, die ihnen widersprechen, das Schweigen durchbrechen und sich kritisch mit den jeweiligen Zuständen auseinandersetzen. Sich gegen diese Bestrebungen rechtsextremer Personen und Gruppierungen zu wehren, bedarf es engagierter und kooperativer Arbeit unterschiedlichster Akteur*innen, wie positive Beispiele aus Bremen oder Dortmund zeigen.

Deutlich wird die angesprochene Akzeptanz anhand mehrerer Beispiele: So waren bspw. die „Fetten Schweine“ bereits mehrfach Teilnehmer beim Cattiva-Benefizturnier sowie der Fanclub-Liga. Auch im Stadion können sich die Mitglieder rechtsextremer Gruppierungen wie  bspw. den „Alten Kameraden“, den „Schluckspechten“ oder den „Exzess Boys“ problemlos und weitestgehend kritiklos bewegen, während antifaschistische Menschen dem Stadion aufgrund von Bedrohungsszenarien fernbleiben, nur unter Ängsten bzw. einem Gefühl gewisser Unfreiheit die Spiele unserer Eintracht besuchen können und in der Vergangenheit Repressionen seitens des Vereins zu spüren bekamen. Auch werden regelmäßig verschiedene Aufrufe der Fanszene von rechtsextremen Gruppierungen unterzeichnet und mitgetragen – ohne, dass eine kritische Auseinandersetzung seitens der Initiator*innen vorgenommen wird. Zustände, die wir nicht akzeptieren können, wollen und dürfen.

Eben dies ist der Grund für dieses Schreiben. Möglicherweise habt ihr unseren Blog-Beitrag „Unkritische Akzeptanz beenden“ gelesen, in welchem wir dieses Thema erneut angesprochen haben, mit einem Fokus auf euren Aufruf „Ich pfeif auf die Kohle, der Eintracht zum Wohle“, welchen auch mehrere – zum Teil eben genannte – rechtsextreme Gruppierungen unterzeichnet haben. Sie alle sind in der Vergangenheit wiederholt durch rechtsextreme Äußerungen, Handlungen und Gedanken aufgefallen – im Stadion, im Stadtgebiet oder bei Demonstrationen. Sie alle stellen eine Gefahr für PoC sowie andere Personengruppen dar und wirken durch ihre politische Arbeit den Werten unseres Vereins entgegen. Dies ist nicht nur sehr gut dokumentiert (sowohl auch auf unserem Blog als auch in der Vergangenheit durch andere Gruppierungen in Braunschweig), sondern auch immer wieder aufs Neue erkennbar, zuletzt beispielsweise in Form des Gedenkbanners für den verstorbenen Chemnitzer Neonazi Thomas H. in Block 8.

Als Faninitiative gegen Rassismus und Diskriminierung stellen wir daher folgende Fragen:

  1. Wieso wurde bei der Aufnahme der Unterstützer*innen eine solch unkritische Akzeptanz eben solcher Fanclubs und Gruppierungen seitens der Fanabteilung an den Tag gelegt?
  2. Wie ist ein solches Handeln mit den Werten unseres Vereins in Einklang zu bringen?
  3. Sieht die Fanabteilung die akzeptierte Gegenwart rechtsextremer Personen und Gruppierungen innerhalb der Braunschweiger Fanszene als relevantes Problem an?
  4. Wie möchte sich die Fanabteilung als relativ neue Akteurin dem Problem rechtsextremer Personen und Gruppierungen innerhalb unserer Fanszene annehmen, insbesondere mit Blick auf die durchaus vorhandenen strukturellen Verbindungen zwischen rechtsextremen Hooligans sowie der Ultraszene?

Es ist uns bewusst, dass es unter Zuständen wie in Braunschweig nicht einfach ist, sich der Problematik selbstbewusst und engagiert anzunehmen. Die Strukturen sind über Jahrzehnte gewachsen und Rechtsextreme mitunter bestens in der aktiven Fanszene vernetzt und anerkannt. Sichtbares und öffentliches Engagement wurde immer wieder mit Gewalt beantwortet, Akteur*innen eingeschüchtert und bedroht. Die rechtsextremen Strukturen funktionieren erschreckend gut, was mehr und mehr Menschen davon abhält, sich aktiv einzubringen und für ein diskriminierungsfreies Stadion einzustehen. Auch wir waren bereits Ziel von Anfeindungen, Bedrohungen und Gewaltfantasien rechtsextremer Personen – eben deshalb auch die Anonymität, ohne welche wir diese Arbeit nicht leisten könnten.

Doch darf sich kein*e Akteur*in durch die starken Strukturen sowie das gewaltbereite Auftreten abhalten lassen, im Rahmen der jeweiligen Möglichkeiten aktiv zu werden. So wie wir versuchen in die Fanszene hineinzuwirken und als mahnende Stimme gegenüber anderen Akteur*innen zu fungieren, sollten andere Akteur*innen dies ebenfalls tun. Nur so kann ein Reflexionsprozess in Gang gesetzt werden, welcher innerhalb der Fanszene, des Vereins und weiteren Strukturen zu einer Sensibilisierung für das Problem des Rechtsextremismus führt und als Ausgangspunkt effektiver antirassistischer Arbeit dienen kann. Insbesondere Fanabteilung und Verein haben zahlreiche Möglichkeiten gezielt zu agieren und über Aufklärung und Prävention hinaus wirksam zu werden. Es bedarf lediglich des Willens, dies zu tun.

Wir würden uns über eine Antwort auf dieses Schreiben und unsere Fragen freuen und stehen zukünftigen Dialogen und Kooperationen offen gegenüber.

Kein Fußball den Faschisten!

Faninitiative gegen Rassismus und Diskriminierung

Braunschweig, 18.06.2020

Unkritische Akzeptanz beenden!

Die Corona-Pandemie hat den Fußball – trotz Geisterspiele – noch immer fest im Griff. Insbesondere die Vereine der 3. Liga leiden unter finanziellen Einbußen aufgrund fehlender Zuschauereinnahmen bei gleichzeitig fortgesetztem Spielbetrieb. Wie bei vielen anderen Vereinen gab es daher auch bei unserer Eintracht verschiedene Aktionen und Möglichkeiten den Verein unmittelbar zu unterstützen – unter anderem verfasste die Fanabteilung den Aufruf „Ich pfeif auf die Kohle, der Eintracht zum Wohle“, welcher von zahlreichen Fanclubs unterstützt wurde und zum Verzicht auf die Erstattung der Kosten von Dauerkarten- und Tageskarten aufrief. Auch wir unterstützen diesen Aufruf inhaltlich, müssen uns jedoch kritisch zum Unterstützer*innenkreis äußern.

Wir haben lange überlegt, wann und wie wir unsere Kritik formulieren, da wir weder mitten in der Hochzeit der Pandemie, wenn Verein und wir alle ohnehin mit verschiedenen neuen Rahmenbedingungen konfrontiert sind, ein solch wichtiges und doch in Braunschweig auch heikles Thema ansprechen wollten – allerdings auch nicht schweigen konnten. Dafür ist es eben zu wichtig. Der jetzige Zeitpunkt, an dem der Re-Start vollzogen wurde, sehr viele Anhänger*innen ihren Verzicht mitgeteilt und somit die Eintracht immens unterstützt haben und sich eine erste neue Normalität im Corona-Alltag eingestellt hat, erschien uns hingegen passend.

Wie bereits dargestellt, unterstützen wir den Aufruf inhaltlich und haben uns diesem selbst angeschlossen, in Form des eigenen Verzichts von jenen, die finanziell in der Lage dazu sind. Stören tun wir uns jedoch an Teilen der Unterstützer*innen, die seitens der Fanabteilung offensichtlich unkritisch ergänzt wurden. So finden sich in dieser Auflistung als dem mitunter extrem rechten Spektrum zuzuordnende Fanclubs wie die Schluckspechte, die Alten Kameraden oder die Exzess Boys, welche in der Vergangenheit wiederholt und über Jahre hinweg innerhalb wie außerhalb des Stadions mit diskriminierenden Aktionen unterschiedlichster Art (rassistisch, sexistisch, homophob, rechtsextrem, …) auffielen und den Ruf unseres Vereins beschädigten.

Wir hatten bereits in einem früheren Artikel über einige dieser Gruppierungen berichtet (wie vor uns schon andere immer wieder) und sehen es insbesondere angesichts aktueller Geschehnisse als hoch relevant an, auch solche Formen der symbolischen Akzeptanz rassistischer Gruppierungen und Inhalte zu problematisieren. Denn: Eine Wurzel unkritischen Hinnehmens der Präsenz von Rechtsextremen in der Mitte unserer Kurve ist eben diese Akzeptanz ihrer Gruppierungen als Teil der Fanszene bei solchen Aktionen. Stoßen sie niemals auf Widerspruch und Signale der Nichtakzeptanz, welche die Fanabteilung und andere Gruppierungen problemlos auf Basis der elementaren Werte unserer Eintracht aufbauen könnte, werden sie weiterhin jede Gelegenheit nutzen, sich in eine Reihe mit ganz normalen Fanclubs zu stellen – vielleicht auch eurem eigenen – und sich so, unter dem Deckmantel der Solidarität und des guten Willens, den Schein der Normalität anzueignen. Gleiches gilt für die Teilnahme der „Fetten Schweine“ beim Cattiva-Turnier für den guten Zweck. Dass sie es bisher immer wieder schafften, zeigt bereits die große Akzeptanz auf verschiedensten Ebenen.

Und Schweigen heißt hierbei Akzeptanz – was bei den aktuellen Black Lives Matter Protesten sichtbar wird, gilt auch abseits dieser speziellen Thematik. Es bedarf Widerspruch, Kritik und Aufmerksamkeit, wenn Rechtsextreme und Rassisten den Weg in die Mitte der Gesellschaft suchen, sich dort niederlassen und ihre diskriminierenden Denk- und Handlungsmuster auszuleben versuchen – und es immer wieder auch erfolgreich und ungestört tun können. Für die meisten von uns, die vermutlich weiß (und männlich und heterosexuell) sind, sind rechtsextreme, frauenverachtende, homophobe Gruppierungen und Inhalte auf den ersten Blick wenig bedrohlich und werden daher gar nicht problematisiert. Oftmals nehmen viele Menschen übergriffige und diskriminierende Situationen auch gar nicht erst wahr, weil sie solche Momente auf Grund ihrer individuellen Privilegien nicht erleben und sie im für sie unsichtbaren Raum geschehen – oder sie erkennen die jeweilige Diskriminerung nicht sofort als das, was sie ist, weil ihnen aufgrund ihrer Sozialisation in der Mitte einer ebenso nicht von Diskriminierung freien Gesellschaft ein homophober Spruch eher ein Grinsen, als einen grimmigen Blick ins Gesicht fahren lässt. Insbesondere im Fußballstadion sind solche diskriminierenden Inhalte leider noch immer Alltag und bedürfen daher einer besonderen Sensibilisierung, damit Rassismus, Homophobie, Sexismus und andere Diskriminierungen nicht als „witziger Spruch“ wahrgenommen, sondern als „problematische Äußerung“ erkannt und ihre lokale Urheber für eben solches Verhalten sanktioniert werden.

Eben deshalb dieser Text. Wir dürfen nicht vergessen, welche Gruppen und politischen Meinungen in der Mitte unserer aktiven Fan- bzw. insbesondere Ultraszene fest verwurzelt und bestens vernetzt, aktiv sind. Angesichts dieser Zustände ist es von besonderer Bedeutung, dass eine breite Masse nicht-ultraorientierter Fanclubs und Einzelpersonen ihre Kritik an Fanabteilung und den Verein richten und für eine dortige Sensibilisierung hinsichtlich der Gefahren und Risiken rechtsextremer Gruppen innerhalb unserer Fanszene sorgen – und innerhalb der Fanszene das Thema ansprechen, diskutieren, sichtbar machen. Der Kampf um die Deutungshoheit innerhalb der Fanszene darf nicht widerstands- und kritiklos aufgegeben werden bzw. die aktuellen Zustände nicht unkritisch anerkannt werden. Wo sich Rechtsextreme im Zentrum einer breiten Masse akzeptiert fühlen, werden sie ihren Einfluss versuchen auszuweiten und ihre politische Gesinnung ausleben. Auch wenn viele von euch nicht selbst Zielscheibe diskriminierender Äußerungen sind, ist es unser aller Aufgabe uns eben solchen Meinungen entgegen zu stellen und uns im Sinne der menschlichen Grundwerte sowie der zentralen Werte unseres Vereins für ein diskriminierungsfreies Stadion engagieren – auf unterschiedliche und vielfältige Art und Weise!

Erfolgreich (und) freigestellt

Gerechnet hatte mit dieser Entscheidung wohl niemand – nicht einmal der Trainer selbst: „Trainer Christian Flüthmann freigestellt“. Zwar waren die vergangenen Wochen sportlich nicht von besonderem Erfolg gekrönt (7 Punkte aus 8 Spielen), doch war das Thema „Trainerentlassung“ bislang kein akutes gewesen. Auch sprechen die Zahlen mit Blick auf das von Vollmann ausgegebene Saisonziel – oberes Drittel – eigentlich für Flüthmann: Platz 5, 3 Punkte Abstand zu den Aufstiegsrängen – 1,66 Punkte pro Ligaspiel im Durchschnitt. In den vergangenen 5 Jahren hatte dieser Wert in jeder Saison für das obere Tabellendritten gereicht, einmal gar für den Relegationsplatz. Grund genug sich einmal genauer mit der Trennung von Flüthmann auseinanderzusetzen.

Zur Wahrheit gehören hierbei auch die kritischen Worte in Richtung Trainerstuhl. So stand Flüthmann innerhalb der Fanszene zuletzt insbesondere wegen seinen Aufstellungen sowie der taktischen Ausrichtung in der Kritik. Während wenig effektive oder fehleranfällige Spieler Woche für Woche das Vertrauen erhielten, bekamen potentielle Nachrücker nur selten ausreichend Spielzeit zur spielerischen Entfaltung, so ein zentraler und immer wieder wahrgenommener Knackpunkt in der Bilanz Flüthmanns. Die vergangenen Resultate stimmten ebenfalls nachdenklich. Die Erklärung des Vereins geht in eine ähnliche Richtung: spielerischer Leistung, Entwicklung, Resultate. All das jedoch sind einzelne Kritikpunkte, aber angesichts der übrigen Bilanz wirklich auch ein Trennungsgrund?

Denn: Ein Blick auf die Ergebnisse bzw. die jeweiligen Gegner zeigt sich, dass man sich im oberen Dritten eingefunden hat: Zwei von vier Niederlagen kassierten wir gegen Duisburg (Platz 1) und Ingolstadt (Platz 2). Rostock (Platz 7) und Bayern II (Platz 9) hatten in der jeweiligen Saisonphase entweder eine Erfolgsserie oder wohltuende Unterstützung aus der Profimannschaft. Das Unentschieden gegen Preußen Münster war das erste Spiel der Saison, in welchem gegen eine Mannschaft aus der unteren Tabellenhälfte nicht gewonnen wurde. Richtig ist aber auch, dass bislang kein Spiel gegen eine Mannschaft der oberen Tabellenhälfte gewonnen wurde.

Entscheidend ist am Ende der Maßstab, an welchem der Trainer gemessen wird. Das zu Beginn der Saison ausgegebene und auch jetzt nicht veränderte Saisonziel von Peter Vollmann – „Oberes Drittel ist okay!“ – scheint es nicht gewesen zu sein. Trotz berechtigter Kritikpunkte weist der aktuelle Stand tabellarisch und spielerisch nicht darauf hin, dieses Ziel zu verfehlen. Angesichts dessen erscheint die Erklärung des Vereins auf Basis rein sportlicher Gründe eigenartig und in gewissem Maße fragwürdig.

Die Trennung von Christian Flüthmann reiht sich hierbei auch ein in einen größeren Prozess im Umgang mit Trainern. Auch andere Fußballlehrer wie Jens Keller (Union Berlin – 4. Platz in Liga 2), Patrick Glöckner (Viktoria Köln – 1. Platz in der Regionalliga West) oder Markus Anfang (FC Köln – 1. Platz in Liga 2) mussten in den vergangenen Jahren während der laufenden Saison den Trainerstuhl trotz den Saisonzielen entsprechendem Verlauf räumen. Dieter Hecking wurde zuletzt in Mönchengladbach vorzeitig zum Saisonende entlassen, obwohl die Europa-League-Qualifikation in sicherer Nähe und der Vertrag erst wenige Monate zuvor verlängert worden war – die Liste könnte fortgeführt werden. In Folge einer solchen Entwicklung erhöht sich der Druck auf Trainer weiter, bröckelt der Respekt und ist die „ewige Logik“ der Jobsicherheit qua Erfolg grundlegend in Frage gestellt. Es scheint, als suche sich der aus dem Zwang nach Erfolg resultierende und wachsende Druck des Profifußballs, welcher heute bis in die Regionalligen hineinreicht, immer neue Ventile – und so lange die Struktur der Ligen Vereine vor existenzielle Nöte stellt oder die Millionenbeträge für Spieler und Vereine weiter steigen, wird sich am anwachsenden Druck nichts ändern.

Doch als sei eine Trennung dieser Art nicht schon tragisch genug, geht mit solch einem Prozess meist auch eine misslungene Kommunikation einher. Folgt man einmal den Worten Vollmanns auf der Pressekonferenz zur Vorstellung des neuen Cheftrainers Marco Antwerpen, scheint dies auch in unserem Fall – mal wieder – der Fall gewesen. So antwortete Vollmann auf die Frage, ob Flüthmann nach dem Münster-Spiel etwas hätte erahnen können oder es ihn spontan erwischt, dass selbiger diese Entscheidung eher überrascht als darauf vorbereitet aufnahm. Offensichtlich hatte sich in den vergangenen Tagen und Wochen niemand mit Flüthmann persönlich über die Lage ausgetauscht. Der ebenfalls „unwiderruflich freigestellte“ Markus Unger erfuhr von seiner Entlassung per Telefon – da am Sonntag Abend eine Sitzung des Aufsichtsrats die letzten freien Terminslots Vollmanns belegte. Die Hoffnung, unser Verein hätte nach den ebenfalls kommunikativ und menschlich misslungenen Trennungen von Lieberknecht, Arnold und Schubert sowie Teilen der Mannschaft 2017/18 dazugelernt, scheint ins Leere gelaufen zu sein. Zwar sei die Entscheidung laut Verein „mit reiflicher Überlegung und dem nötigen Abstand zum letzten Pflichtspiel in Münster getroffen“ worden, doch scheint Christian Flüthmann als Cheftrainer nie Teil dieser Überlegungen über das sportliche Fortkommen der Mannschaft gewesen zu sein. Dabei hatte Peter Vollmann auf seiner eigenen und Flüthmanns Vorstellungs-PK zu Saisonbeginn noch Kommunikation „auf Augenhöhe“ und „sehr hohem Niveau des sozialen Denkens“ versprochen. Ganz unabhängig des (Miss-)Erfolgs und der sportlichen Basis einer Entlassung ist ein solcher Umgang auf menschlicher Ebene respektlos und den Werten unseres Vereins nicht entsprechend.

Alles in allem stimmt uns die aktuelle Lage nachdenklich. Der Verein erhofft sich von Marco Antwerpen die schnellere Rückkehr zum Erfolg, als sie möglicherweise mit Christian Flüthmann möglich gewesen wäre, so Peter Vollmann. Was aber geschieht, wenn sich der Erfolg nicht in wachsendem Maße einstellt und wir am 25. oder 30. Spieltag noch immer auf Platz 5 stehen, 3 Punkte vom Aufstiegsrang entfernt? Vielleicht haben wir dann ein Spiel gegen den Drittplatzierten gewonnen, aber auch gegen die Vierzehnten verloren? Ist Marco Antwerpen dann das nächste Bauernopfer einer fragwürdigen Vereinspolitik? Oder setzt sich endlich die Erkenntnis durch, dass es nichts hilft Mannschaft und Trainer beliebig zu wechseln, wenn die Probleme auf höheren Vereinsetagen liegen? Endgültig dahin scheinen zumindest die Strukturen der Konstanz und Ruhe vergangener Jahre – es dämmert viel mehr die Zeit der frühen 2000er. Hoffen wir das Beste.

Christian Flüthmann und Markus Unger wünschen wir für die Zukunft alles Gute und danken für den bisherigen Saisonverlauf, welcher uns eine schwere Zeit wie in der vergangenen Saison erspart. Unserem neuen Trainer Marco Antwerpen wünschen wir größtmöglichen Erfolg und heißen ihn herzlich in der Löwenstadt willkommen. Peter Vollmann steht in diesem Beitrag als öffentlich wahrnehmbare Person auch stellvertretend für viele weitere Verantwortliche im Verein, welche mitunter – anders als Vollmann – bereits die angeführten Entlassungs-Fails der letzten eineinhalb Jahre mitbegleitet haben.

Das Schweigen beenden – Hooliganstrukturen ansprechen!

Aufgrund verschiedener Nachfragen und Spekulationen ist es uns zuvor wichtig, klar zu stellen, dass die Autor*innen dieses Textes weder Teil der „Ultras Braunschweig 2001“ sind oder waren, noch bestehen personelle Verbindungen zwischen UB01 und der Faninitiative BS. Wir sind eine eigenständige Gruppierung ohne Ultra-Charakter, die sich aus langjährigen Eintrachtfans aus allen Teilen des Stadions zusammensetzt und für ein diskriminierungsfreies Stadion arbeitet. Dieser Beitrag ist ohne Rücksprache mit anderen Gruppierungen entstanden und ohne Zusammenhang mit den Ultras Braunschweig zu verstehen. Eine Übertragung der hier dargestellten Inhalte auf die Ultras Braunschweig entbehrt jeder Grundlage.

Die Südkurve ist seit Saisonbeginn um (mindestens) eine Zaunfahne reicher: In unmittelbarer Nähe zu den Ultras und ihrer Blockfahne präsentieren neuerdings auch einige Hooligangruppen geeint und verbunden ihre eigene Zaunfahne. Beim Design den Ultras gleichend, ist nun in treuer Regelmäßigkeit das Gebiet der „Hooligans“ in Block 8 abgesteckt. Nach inzwischen einigen Wochen Wartezeit ist es nun nötig sich zu äußern, Stellung zu beziehen – es tut scheinbar sonst kaum jemand.

Wer genau sich hinter dem „Hooligans“-Banner sammelt, ist nicht endgültig bekannt. Entscheidender als die Frage der Dahinterstehenden jedoch ist die problematische Symbolik: Hooligans fühlen sich in der Südkurve so sicher, dass sie sich geeint mit eigener Zaunfahne präsentieren – und werden trotz ihrer Verbindungen sowie der personellen Überschneidungen mit der rechtsextremen Szene nahezu kritiklos akzeptiert. Die lange rechte Historie sowie noch immer währende rechte Gegenwart nahezu aller Hooligangruppen sollte bekannt sein. Zahlreiche Materialien und Berichte stellen in aller Deutlichkeit klar, wie eng und tief die Verbindungen und Überschneidungen zwischen rechtsextremer und Hooligan-Szene in Braunschweig und Umland sind. Ob Gruppen wie die „Alte Kameraden“, „Fette Schweine“, „Schluckspechte“ oder „Kategorie Braunschweig“ – sie alle sollten als rechtsoffen bis rechtsextrem besetzt und ausgerichtet bekannt sein. Verschiedene Vorfälle der vergangenen Jahre haben dies über die Stadtgrenzen hinaus bekannt werden lassen (11Freunde, ZEIT, taz, taz) – die Informationsbroschüre „Kurvenlage“ befasste sich darüber hinaus ebenfalls mit diesem Thema.

Geändert hat sich seitdem nicht viel: Die Netzwerke von Hooligans und Rechtsextremen sind nach wie vor dicht verwoben, zahlreiche Kontakte in die Ultraszene bestehen ebenfalls. Insbesondere die Hooligans von „Fette Schweine“ sind offenbar tief in die Fanszene integriert, nahmen an Benefizturnieren von Cattiva Brunsviga (eintracht.com) sowie der Fanclubliga teil – und bewegen sich im unteren Block 8, wo dem rechtsextremen Hooligan aus Chemnitz, Thomas Haller, in der vergangenen Saison ein Gedenkbanner gewidmet wurde (taz, BZ). In der gleichen Ecke war beim Derby 2016 ein Spruchband zu sehen, welches Bezug zum antisemitischen „U-Bahn-Lied“ nimmt (siehe Tweet). Die „Fetten Schweine“ sind mit ihrer Zaunfahne in Block 8 präsent und werden von der Ultraszene und Teilen der Fankurve offenbar kritiklos anerkannt. Ihre rechtsextreme Orientierung ist angesichts oben dargestellter Spruchbänder leicht ersichtlich.

Es sind jedoch nicht allein die „Fetten Schweine“, die sich bestens mit der extremen Rechten verstehen bzw. Teile eben dieser sind. Auch die oben genannten Gruppen „Schluckspechte“ und „Alte Kameraden“ (Kurvenlage) haben eine große Nähe zur aktiven Fanszene einerseits, rechtsextremen Gruppen andererseits. Im Jahr 2013 distanzierten sich beide Gruppen schriftlich von rechtsextremen Gedankengut (FanRat)- und stießen damit auch über die Fanszene hinaus (beim FanRat & Verein) auf unkritisches Vertrauen. Ähnlich verhält es sich mit rechtsgerichteten Gruppen wie den „Exzess Boys“, welche bereits ebenfalls an der Fanclubliga teilnahmen (eintracht.com) und aus ihrer ideologischen Orientierung keinen Hehl machen (siehe Facebook-Post, nonazisbs.blogsport.de). Mit den „Dogs Braunschweig“, welche sich früher „Nord Power Dogs“ (NPD) nannten und bis heute Teil der Fan- und rechten Szene sind (DogsBS), gibt es eine weitere rechte Gruppierung mit langer Tradition in der Fanszene.

Es sind diese Gruppierungen, aus welchen sich jene Gruppe zusammensetzt, die sich hinter dem „Hooligans“-Banner sammelt und selbstbewusst im Stadion verkehrt. Untereinander gut vernetzt sind insbesondere die „Fetten Schweine“, „Kategorie Braunschweig“, „Exzess Boys“ sowie die „Alten Kameraden“, dessen Mitglieder sich (je nach Gruppe unterschiedlich) in gewisser Regelmäßigkeit im unteren Bereich in Block 8 aufhalten – eben dort, wo sich das „Hooligans“-Banner neuerdings befindet. Es ist das Resultat langen Schweigens und andauernder Tatenlosigkeit von Verein und Fanszene. Als langjährige Eintrachtfans, die unsere Eintracht von der Haupttribüne, Gegengrade oder Südkurve verfolgen, begegneten wir immer wieder Situationen des Schweigens, in denen auch wir nicht die passenden Worte zur Hand hatten. Über Jahre und Jahrzehnte wuchs und gedieh so die Braunschweiger Hooliganszene und vernetzte sich schnell mit Teilen der sich schnell wandelnden Ultraszene. Der nun vollzogene Schritt scheint also einen weiteren Integrationsschritt darzustellen, eine weitere Verfestigung bestehender Hooligan-Strukturen innerhalb unserer Fanszene. Nichts deutet bislang darauf hin, dass sich die Ultras, welche stets die Selbstreinigungskräfte der Kurve beschwören, am „Hooligan“-Banner stören oder ein Problem mit dem selbstbewussten Auftreten der rechten Hooligans haben. Auch abseits der Stehplätze nahm niemand von uns ernsthafte Diskussionen über das Banner wahr. Ein Umstand, der uns Sorgen bereiten sollte und nicht länger schweigend übergangen werden darf.

Dass auch der Verein wort- und tatenlos zusieht, wie sich rechtsextreme Hooligans wieder und weiterhin in der Fanszene einnisten, ist ein zusätzliches Problem. Zwar engagiert sich Eintracht Braunschweig seit einigen Jahren zunehmend in der Präventionsarbeit – eine Bestandsaufnahme rechtsextremer Gruppen und Personen oder ein entschlossenes Vorgehen gegen eben diese Fans gab es jedoch nicht. Möglichkeiten hätte unsere Eintracht genug. Eine klare Position beziehen, Gruppenauftrittsverbote oder Stadionverbote, das Verweisen auf die selbst gegebenen und dem Verein zu Grunde liegenden Werte, das Leitbild unserer Eintracht. Eine antifaschistische Haltung bedarf keiner linken Haltung – notwendig ist das Bekenntnis zu Menschenrechten, Grundgesetz und Freiheitlich-Demokratischer Grundordnung. Die Realität unseres Vereins ist allerdings eine andere: Symbolpolitik an Aktionstagen und Distanzierungsschreiben nach diskriminierenden Vorfällen sind der Alltag im Umgang mit der extremen Rechten. Aachen, Cottbus, Chemnitz und Duisburg sind nur ein paar wenige Beispiele, die deutlich machen, wohin es führt, wenn sich Fanszene und Verein unkritisch und tolerant gegenüber rechtsextremen Bestrebungen positionieren. Es entsteht ein Umfeld, in welchem sich Rechtsextreme einnisten, die Strukturen verfestigen und schließlich aus einer sicheren Position um die Hegemonie und Deutungshoheit der Fankurve kämpfen können. Es ist Zeit zum Handeln, für Verein und Fanszene!

Wir wollen mit diesem Beitrag auf den Umstand der tiefen Verwurzelung rechtsextremer Hooligans in unserer Fanszene aufmerksam machen, ein Problembewusstsein schaffen und das Thema in die Kurve tragen. Sprecht mit euren Freund*innen in der Kneipe oder im Stadion darüber, sensibilisiert eure Freunde auf den Tribünen für diese Themen. So schaffen wir ein Klima des Hinschauens, des offenen Redens und somit die Grundlage für eine bunte und vielfältige Kurve, in welcher ein jeder Fan unsere blau-gelben Löwen in sicherem Umfeld unterstützen kann.

Schaut euch auch die untenstehenden Links an. Dort findet ihr weitere Berichte über die erwähnten Gruppierungen und Informationen zu rechten Hooliganstrukturen in Braunschweig.

Weitere Links:

taz 2012 – Nicht alle Fans sind rechts

lichterkarussell.net 2013 – Tot geglaubt und doch vorhanden

antifainfoblatt 2010 – Rote Teufel mit braunen Brüdern

vonnichtsgewusst.blogsport.de 2011 – Auszüge aus dem „Lagebericht Rechtsextremismus in Niedersachsen“

ultrapeinlich.tumblr.com – Video

Von Kartenpreisen und Sinnverlust

Morgen ist es endlich soweit: Eine Saison der absoluten Tiefen und nicht für möglich gehaltenen Höhen geht zu Ende. Zur Winterpause abgeschlagen auf dem letzten Tabellenplatz liegend, hatten viele von uns die Saison schon nahezu abgeschrieben, sich gedanklich auf den Abstieg eingestellt. Die Verpflichtung André Schuberts sowie einiger erfahrener Spieler und Identifikationsfiguren ließen den Erfolg jedoch zurückkehren, die Hoffnung wiederkehren und uns nun vor einem entscheidenden Spiel gegen Energie Cottbus stehen – und das nicht weniger wichtige: Differenzen und tiefe Gräben zwischen Fans, Mannschaft und Verein schlossen sich. Die Eintracht, die diesen Verein so besonders, so einzigartig sein lässt, kehrte zurück.

Insbesondere im Schatten dieses Saisonverlaufs ist es umso trauriger zu sehen, dass so manche Karteninhaber*innen mit kurzfristig freigewordenen Karten ein schnelles und gutes Geschäft wittern. Auf bekannten Plattformen kostet(e) der Stehplatz schnell mehr als 60 Euro, ein Sitzplatz mehr als 90 Euro – entsprechend dem neoliberalen Zeitgeist verlieren Solidarität und Eintracht zu Gunsten der Marktlogik ihren Sinn und Wert. Andere setz(t)en auf die Auktionshaus-Logik und kündig(t)en an, das Ticket dem/der Höchstbietenden zu übergeben. An dieser Stelle hat dann auch das Prinzip der Gleichheit seinen Sinn verloren – und wir sind alles Braunschweiger Jungs?

Handele es sich bei diesen Verkäufer*innen um Personen ohne Bindung an unseren Verein, wäre all das ein reines Geschäftsmodell, wie es bei Weltmeisterschaften, der Champions oder Europa League und weiteren auf höchster Ebene bedeutsamen Fußballspielen bereits trauriger Alltag ist, könnte man all das als eine der tragischen Folgen des kommerzialisierten Eventfußballs verstehen. Zahlreiche Verkäufer*innen jedoch bieten eine Übergabe am Stadion an und zeigen sich offen als Fans der Eintracht. Die Liebe, die selbst gelebt wird, ist hier der Hebel für das große Geschäft – die Eintracht verliert. Ein schlechtes Omen für ein solches Endspiel, wie es uns erwartet.

Zwar waren es keine Massen an Karten, doch halten wir es für wichtig und richtig diese Praxis zu thematisieren und problematisieren. Schließlich stellt unser Verein mit der Ticketbörse eine Plattform zu Verfügung, welche eine schnelle und sichere Abwicklung des (Ver-)Kaufs ermöglicht – aber zum Normalpreis der entsprechenden Kategorie. Und so schade die oben beschrieben Praxis ist, so ist es doch schön zu sehen, dass andere Fans die Werte unserer Fangemeinschaft leben, sich keinen Reibach versprechen, sondern ihre Karte zum Originalpreis über die Ticketbörse abgeben. Eben das ist, was unseren Verein zu dem macht, was er in seinem Namen trägt – zu einer Eintracht, in der alle füreinander einstehen; komme, was immer auch wolle. Insbesondere vor einem Spiel dieser Bedeutung, dessen möglichen Konsequenzen es noch folgenschwerer als jedes bisherige Entscheidungsspiel sein lassen, ist es das, was wir, unsere Mannschaft, der gesamte Verein benötigen.

Solltet ihr also eure Karte noch kurzfristig loswerden müssen, erinnert euch daran, weshalb ihr diesen Verein liebt, was ihn aus der Masse der Anderen hervorhebt: Die immerwährende Verbundenheit, Solidarität und Gemeinschaft, die uns alle vereint. Wir brauchen einen Punkt – dafür müssen wir zusammenstehen, vor, während und nach dem Spiel.

Braunschweig heißt Eintracht – und Eintracht ist alles!

Faninitiative gegen Rassismus und Diskriminierung

[03/19] Gedenkbanner für CFC-Hooligan und Neonazi Thomas H. in Block 8

Endlich! So wenig bedeutsam der aktuelle 16. Tabellenplatz für unsere Eintracht zum aktuellen Zeitpunkt auch ist, so gut tut es, nach langen Monaten, nach großem Abstand zum rettenden Ufer, mindestens für ein paar Tage über dem rettenden Strich zu stehen. Unsere Mannschaft hat sich diese Mut machende Momentaufnahme gegen Meppen in jedem Fall verdient und erkämpft – was mit „Oh wie ist das schön“- und „Europapokal“-Gesängen von der Kurve gewürdigt und bedacht wurde. Ein sportlich und emotional großartiger Tag im Braunschweiger Tempel. 

Weniger erfreulich hingegen war, was während der zweiten Halbzeit für einen kurzen Moment im unteren Bereich von Block 8 zu lesen war: „Ruhe in Frieden Tommy“, so die Worte auf einem Spruchband, welches mit „BS Hools“ unterzeichnet wurde. Bei „Tommy“ handelt es sich um keinen anderen, als den Chemnitzer Neonazi und Hooligan, welcher in der vergangenen Woche verstarb und aufgrund der Traueraktionen im Chemitzer Stadion wenige Tage darauf bundesweit in allen Medien sichtbar wurde.

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