Unter dem Namen „Faninitiative gegen Rassismus und Diskriminierung“ sammelt sich keine feste Personengruppe, kein Fanclub, keine feste Struktur. Vielmehr wollen wir ein Sammelbecken für all jene sein, die sich auf verschiedene Art und Weise innerhalb unserer Fanszene für diskriminierungsfreie Räume einsetzen (wollen). Es ist hierbei nicht entscheidend, ob du Ultra, Kutte, Allesfahrer*in, Sitzer*in, Kurvengänger*in bist oder dich in keine dieser Kategorien einordnen lässt. Entscheidend ist, dass du ebenfalls das Ziel eines Stadions ohne Diskriminierung hast und das Ziel eines Eintracht-Stadions als sicheren Ort für Alle teilst. Andernorts sind Faninitiativen wie diese bereits lange etabliert und fester Bestandteil der Fanszene – und immer wieder leisten sie wichtige und wirksame Arbeit in verschiedensten Bereichen. Wir sind der Meinung, dass es genug Gründe gibt auch in Braunschweig das antidiskriminierende Engagement zu bündeln und zu stärken.
So ist allgemein bekannt, welch wichtige Rolle präventiver und aufklärerischer Arbeit im Kampf gegen Rechtsextremismus und andere Formen von Diskriminierung zukommt. Nur wenn umfangreiches Wissen und ein Pool an Informationen über die Hintergründe, Formen und Auswirkungen von Diskriminierung im Fußball vorhanden sind, kann ein kollektives Problembewusstsein innerhalb einer Fanszene entstehen. Insbesondere Homophobie und Sexismus fliegen oftmals unter dem Deckmantel des „Das ist beim Fußball halt so“ und werden daher von Teilen der Fanszene gar nicht als diskriminierend wahrgenommen. Ziel ist es hierbei nicht eine Position moralischer Überlegenheit einzunehmen, sondern sachlich vorhandene Missstände anzusprechen und über diese zu diskutieren. Wir wollen in den Austausch untereinander treten, zum Nachdenken anregen. Das Ziel eines diskriminierungsfreien Stadions wird nicht durch die Auferlegung von Normen erreicht, sondern nur über interne Reflektionsprozesse. Diese wollen wir anstoßen, befeuern, mit Inhalt füllen.
Ebenso wichtig ist es, lokale Vorfälle zu thematisieren und über rechte Bestrebungen innerhalb unserer Fanszene zu informieren. Denn: Solange sich rechtsextreme Gruppierungen und Personen ohne Widerspruch und Kritik in Teilen des Stadions bewegen können, diskriminierende Gesänge laut durch das Rund hallen oder das Credo „Solange mir die Rechten nichts tun, stören sie mich nicht“ in vielen Köpfen anzutreffen ist, ist in unserer Fanszene weder „alles gut“, noch trifft die immer wieder vernehmbare Aussage „Wir tun doch genug“ zu. Es geht uns nicht um eine Diskreditierung der gesamten Fanszene, dessen Teil auch wir alle sind, doch haben insbesondere die vergangenen Jahre gezeigt, dass in Teilen der aktiven Fanszene das rechte Auge oftmals deutlich weniger scharf sieht als es das linke Auge tut – und auch unser Verein hat, so erscheint es immer wieder, die Relevanz des eigenen Engagements noch nicht auf allen Ebenen erkannt. Diese Zustände möchten wir zum Thema machen, denn in vielen Köpfen werden all diese Formen der Diskriminierung in unserer Fanszene als Problem wahrgenommen.
Eben deshalb ist es wichtig, diese Kräfte zu sammeln. In unseren Reihen stehen und sitzen viele Menschen, die sich ebenfalls ein diskriminierungsfreies Stadion wünschen, aber keine aktive Gruppe mit gleicher Zielsetzung vorfinden, in welcher man sich einbringen kann. Die Beispiele anderer Städte haben gezeigt, dass sich die Bündelung dieser Personen auszahlt – für uns alle, die so wahrnehmen, wie viele andere Menschen sich für die selben Ziele engagieren möchten, aber auch für die Fanszene an sich, welche durch erfolgreiche Arbeit verschiedener Akteure vielfältiger und bunter werden kann. Eben deshalb finden wir es wichtig, dass auch bei unserer Eintracht solche Kräfte vernetzt, gemeinsame Aktionen zu lokalen oder bundesweiten Aktionstagen im Stadion geplant und die Kommunikation zwischen verschiedenen Akteuren innerhalb der Fanszene und darüber hinaus intensiviert werden.
Wir hoffen, dass unsere Ziele und Gründe deutlich geworden sind. Willst du dich ebenfalls für diese Ziele einsetzen, dich mit anderen abstimmen, gemeinsame Aktionen planen und die Südkurve zu einem offenen Ort ohne Diskriminierung machen? Dann melde dich bei uns über das Kontaktformular, die Facebook-Seite oder per Mail (faninitiativebs [at] outlook.de)